Posenbeschreibung ist Positionierung, kein Wortstapel

Der häufigste Fehler beim Schreiben eines Prompts ist, „stehend, ganzkörper, frontal, beide Hände an den Hüften, leicht gedreht, lange Beine“ in einem Block hineinzuschieben. Das Modell führt die Angaben nicht einzeln aus. Es mittelt sie zu einem unscharfen Eindruck und liefert dir eine Figur, die „ungefähr so“ aussieht.

Eine effektive Posenbeschreibung betreibt räumliche Positionierung: zerlege den Körper in Achsen, die sich unabhängig beschreiben lassen, und gib jeder Achse einen eindeutigen Wert. Dann trifft das Modell selbst bei Abwägungen die Körperverhältnisse nicht falsch.

Fünf Achsen, einmal klar benannt

Achse eins: Körperausrichtung

Frontal, drei Viertel, seitlich, von hinten. Das ist die am leichtesten übersehene und zugleich einflussreichste Achse. Dieselbe Pose mit Händen an den Hüften wirkt frontal völlig anders als aus drei Viertel. Schreibe sie direkt: front view, three-quarter view from left, side profile.

Achse zwei: Gewicht und Wirbelsäule

Auf welchem Bein das Gewicht liegt, entscheidet, in welche Richtung die Hüfte kippt und wie die Schultern geneigt sind. Schreibe: weight on left leg, hips shifted to the right, S-curve spine. Diese eine Angabe wirkt stärker als jedes Adjektiv, weil sie entscheidet, ob die Pose lebendig wirkt.

Achse drei: die genaue Position der Gliedmaßen

Schreibe nicht „Hand an der Taille“, sondern welche Hand, wo sie anliegt und wohin der Ellbogen zeigt. right hand on hip, elbow out at 90 degrees und left arm hanging relaxed sind zwei eigenständige Anweisungen. Bei den Beinen verhält es sich genauso: left leg straight, right knee slightly bent, toes pointing out.

Achse vier: Kameraposition und Blickwinkel

Augenhöhe, Draufsicht, Untersicht — das sind drei der fünf Winkel in der Bibliothek. Draufsicht macht den Kopf groß und den Körper klein und betont Verletzlichkeit; Untersicht verlängert die Beine und betont Überlegenheit. Schreibe: view from above, low angle shot, eye level.

Achse fünf: Bildausschnitt

Ganzkörper, Waderschnitt, Oberkörper, Nahaufnahme. Der Bildausschnitt legt fest, wie viel Körper im Bild erscheint — und damit auch, ob Hände und Füße zu sehen sein müssen. Das wirkt sich unmittelbar auf die Erfolgsquote aus. full body shot, cowboy shot, upper body, close-up portrait.

Ein vollständiges Beispiel

Setzt man die fünf Achsen zusammen, ergibt sich eine strukturell klare Posenbeschreibung:

full body shot, front view, young woman standing with weight on her left leg, hips shifted right, right hand on hip with elbow out, left arm relaxed at side, S-curve spine, eye level camera

Beachte, dass kein einziges Adjektiv wie „elegant“, „sexy“ oder „natürlich“ vorkommt. Das übernehmen Stilwörter; der Posen-Teil ist allein für die Geometrie zuständig.

Die Schreibweise aus der Bibliothek zurücklesen

Eine sehr praktische Übung: Öffne in der Posen-Bibliothek ein beliebiges Bild und versuche, es mit den fünf Achsen oben zu beschreiben. Hinter einer Kennung wie full_single_P001_front stecken bereits die Dimensionen System, Kategorie und Winkel; du musst nur noch Gewicht und Position der Gliedmaßen ergänzen.

Nach ein paar Dutzend Bildern merkst du, dass du Prompts deutlich schneller schreibst und nicht mehr vom Zufall abhängig bist — denn du weißt, was du willst, und das Modell weiß es auch.

Zwei Ergänzungen

Den Blickwinkel in die Negativliste schreiben

Wenn dein Prompt frontal ist, gehören from behind, from side in die Negativliste. Das Modell ist gegenüber der Ausrichtung weniger widerstandsfähig als erwartet; ein expliziter Ausschluss wirkt zuverlässig.

Bildausschnitt und Auflösung müssen zusammenpassen

Du schreibst full body shot und erzeugst ein Quadrat im Format 1:1 — die Figur wird gestaucht. Für Ganzkörper 2:3 oder 3:4, für Oberkörper 4:5, erst die Nahaufnahme in 1:1. Die Originale der Bibliothek sind einheitlich 900×1200 (3:4) und passen damit genau als Ganzkörper-Referenz.

Der nächste Schritt

Sobald die Pose steht, geht es um Kleidung und Gesicht. Diese beiden Blöcke entsprechen der Kostüm-Bibliothek und der Porträt-Bibliothek; die Logik des Schreibens ist identisch: Dimensionen zerlegen, keine Wortstapel.